Pawpaw — Die tropische Sensation, die jeden Winter übersteht
Asimina triloba. Geschmack wie Mango, Banane und Vanille — winterhart bis −25 °C. Die größte heimische Frucht Nordamerikas, lange vergessen, jetzt für deinen Garten.
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Lebende Brücke zur Eiszeit
Was ist eigentlich die Pawpaw?
Die Pawpaw (Asimina triloba) ist eine Botanik-Sensation: Sie gehört zur Familie der Annonengewächse — derselben Familie wie die Cherimoya — ist aber als einzige Art ihrer Familie in gemäßigten Klimazonen heimisch. Ein lebendes Relikt aus der Zeit vor 56 Millionen Jahren, als ganz Nordamerika subtropisch war.
Heimisch in den Wäldern des östlichen Nordamerikas, von Kanada bis Florida. Bei den indigenen Völkern war die Pawpaw eines der wichtigsten Wildobste — die Cherokee, Shawnee und Iroquois ernteten sie seit Jahrtausenden. Lewis und Clark überlebten 1806 auf ihrer Rückreise durch Missouri tagelang ausschließlich von Pawpaws. Der Stadtname Paw Paw in mehreren US-Bundesstaaten erinnert daran.
Im 20. Jahrhundert geriet die Frucht fast in Vergessenheit: Sie ist nicht transportfähig (Schale platzt nach wenigen Tagen), für den industriellen Handel ungeeignet — und damit keine Frucht für den Supermarkt. Erst seit den 1990er Jahren züchtet vor allem die Kentucky State University systematisch ertragreiche Sorten mit weniger Kernen, größeren Früchten und milderem Aroma (Sunflower, Susquehanna, NC-1 und weitere).
Die Frucht selbst ist die größte essbare Frucht Nordamerikas — bis zu 16 cm lang, 500 g schwer, mit cremig-buttriger Konsistenz. Geschmack: Je nach Sorte ein Cocktail aus Mango, Banane, Vanille, Karamell und einem Hauch Zitrus. Reift in Mitteleuropa von Mitte September bis Mitte Oktober.
Die besten Pawpaw-Sorten für den deutschen Garten
Veredelte amerikanische Edelsorten von der Kentucky State University. vom berühmten Pawpaw-Züchter Neal Peterson sowie europäische Selektionen. Größere Früchte, weniger Kerne, milderes Aroma als die Wildform — und zuverlässig ertragreich ab dem 3.–4. Standjahr.
Pawpaws sind nicht selbstfruchtbar. Du brauchst mindestens 2 verschiedene Sorten in maximal 10 m Abstand für eine zuverlässige Ernte.
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Was die Pawpaw unwiderstehlich macht
Tropischer Geschmack trifft heimische Nährstoffdichte
Ungewöhnlich proteinreich. Mit etwa 1,2 g Eiweiß pro 100 g enthält die Pawpaw etwa fünfmal mehr Protein als ein Apfel oder eine Birne — und alle essenziellen Aminosäuren. Eine Eigenschaft, die unter europäischen Obstsorten praktisch einzigartig ist.
Mineralstoff-Bombe. Hoher Gehalt an Magnesium, Eisen, Kalium, Mangan und Phosphor — pro 100 g mehr Magnesium als eine Banane, mehr Eisen als die meisten Beerenfrüchte. Dazu reichlich Vitamin C, Vitamin A und alle B-Vitamine außer B12.
Sekundäre Pflanzenstoffe. Reich an Polyphenolen und Carotinoiden mit nachgewiesener antioxidativer Wirkung. Aktuelle Studien der University of Maryland untersuchen die Pawpaw als Quelle natürlicher entzündungshemmender Verbindungen.
In der Küche. Die kurze Haltbarkeit (3–5 Tage nach Vollreife) macht die Pawpaw zur klassischen Verarbeitungsfrucht: Pawpaw-Eis, Smoothie, Sorbet, Cheesecake, Pudding, Likör, Marmelade. Klassisch in den USA: Pawpaw Bread wie Bananenbrot. Das Püree lässt sich monatelang einfrieren, ohne Aroma oder Textur zu verlieren.
Annonacin und Pawpaw — was die Forschung wirklich sagt
Die Pawpaw gehört wie ihre tropischen Verwandten (Sauersack, Cherimoya) zur Familie der Annonengewächse und enthält in geringer Konzentration Annonacin und verwandte Acetogenine. In den 1990ern brachten französische Forscher (Caparros-Lefebvre et al., Universität Tours) den intensiven Konsum tropischer Annona-Arten in Guadeloupe mit einer atypischen Parkinson-ähnlichen Erkrankung in Verbindung.
Wichtige Einordnung für die Pawpaw:
- Die Annonacin-Konzentration im Fruchtfleisch der Pawpaw liegt deutlich unter der von tropischen Annona-Arten wie Sauersack — meist um den Faktor 10–100 niedriger (Quelle: Potts et al., 2012, Studien der Purdue University).
- Die höchsten Konzentrationen finden sich in Samen, Schale und Blättern — diese werden grundsätzlich nicht verzehrt.
- Bisher gibt es keine epidemiologischen Studien, die einen Zusammenhang zwischen moderatem Pawpaw-Konsum und neurologischen Erkrankungen belegen — trotz jahrtausendelanger Nutzung durch indigene Völker.
- Die deutsche Bundesbehörde für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BfR) sowie internationale Lebensmittelbehörden haben bisher keine Verzehrwarnung für Pawpaw-Fruchtfleisch ausgesprochen.
Praktische Empfehlung: Genieße reifes Pawpaw-Fruchtfleisch in üblichen Mengen — also als Frucht oder Dessert, nicht als Tagesdiät über Wochen. Keine Samen mitessen, keine Schale verzehren, keine Blätter als Tee verwenden. Schwangere und Personen mit neurologischen Vorerkrankungen sollten den regelmäßigen Verzehr mit ihrem Arzt besprechen. Bei sensibler Verdauung kann der erste Verzehr leichte Magen-Darm-Reaktionen auslösen — beginne mit kleinen Portionen.
Stand der Forschung 2025. Diese Hinweise ersetzen keine medizinische Beratung.
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